Der Klostergarten-Blend mit sieben Pflanzenfamilien in einer Tasse
Der Kräutertee Ruhe & Kraft bringt eine besondere Botanik-Vielfalt in die Tasse: sieben verschiedene Pflanzenfamilien treffen aufeinander – von den klassischen mitteleuropäischen Klostergarten-Kräutern (Brennnessel, Birke, Bohnenhülsen) über tropische Süßgräser (Zitronengras) bis zum exotischen Sandelholz.
Pfirsich und Rose
Zwei Zutaten des Blends gehören zur klassischen Rosaceae-Familie (Rosengewächse): der Pfirsich (Prunus persica) und die Rosenblüten (Rosa damascena). Der Pfirsich verdankt seinen wissenschaftlichen Namen einer botanischen Verwechslung: Prunus persica heißt wörtlich „persischer Pflaumenbaum“ – bezogen auf den vermeintlichen Ursprung Persien. Tatsächlich stammt der Pfirsich aber aus China. Die Verwechslung entstand, weil Alexander der Große ihn um 330 v. Chr. nach seinem Persien-Feldzug nach Griechenland brachte – dort sah er ihn zum ersten Mal und gab ihm den Persien-Namen. Deutsch: „Pfirsich“ von lateinisch persicum = „persischer Apfel“.
Bohnenhülsen
Bohnenhülsen (Phaseolus vulgaris) sind die getrockneten Schoten der klassischen Gartenbohne ohne die Bohnen selbst. Klassisches Klostergarten-Kraut, dokumentiert von Hildegard von Bingen (12. Jh.). Historisch bekannt als „Kaiser-Wilhelm-Tee“ – ein deutsches Kloster-Rezept, das durch die kaiserliche Namensgebung im 19. Jahrhundert populär wurde. Botanisch gehören Bohnenhülsen zur Familie Fabaceae (Hülsenfruchtgewächse) und sind damit verwandt mit Rooibos (Ginger Lemon Rooibos) und Süßholz (Mate Sweet Orange).
Zitronengras
Zitronengras (Cymbopogon citratus, auch „Lemongras“) gehört überraschend zur Familie Poaceae – den Süßgräsern. Damit ist es verwandt mit Bambus, Reis, Weizen, Mais und Zuckerrohr. Das Zitronen-Aroma des Zitronengrases entsteht durch das gleiche Aroma-Molekül wie in Zitronenschalen – Citral. Aber Zitronengras hat botanisch nichts mit Zitrusfrüchten zu tun. Es ist ein tropisches Süßgras mit einem parallelen Aroma-Profil.
Brennnesselblätter
Brennnessel (Urtica dioica) gehört zur Familie Urticaceae. Klassisches Klostergarten-Kraut, ebenfalls von Hildegard von Bingen dokumentiert. Interessante Nesselstoff-Historie: Bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde Brennnessel als Textilfaser verwendet – der klassische Nesselstoff. Vor dem Baumwoll-Boom des 18. Jahrhunderts war Nesselstoff ein wichtiges europäisches Textil, klassisch robuster als Leinen. Im Ersten Weltkrieg verarbeitete die deutsche Wehrmacht wegen Baumwoll-Mangels etwa 2 Millionen Kilo Brennnesseln jährlich zu Uniform-Textilien. Für den Tee werden die Blätter schonend getrocknet – die klassischen Brennhaare (Ameisensäure, Histamin) werden dabei unschädlich.
Birkenblätter
Birkenblätter stammen klassisch von der Hänge-Birke (Betula pendula) und gehören zur Familie Betulaceae (Birkengewächse). Verwandt mit Hasel, Erle und Hainbuche. Klassischer Frühjahrs-Kräutertee – im April und Mai geerntet, wenn die jungen Blätter besonders aromatisch sind. Die charakteristische weiße Birkenrinde entsteht durch Betulin, ein Triterpen, das die Rinde vor UV-Strahlung schützt. In der nordischen und russischen Sauna-Tradition werden Birkenzweige klassisch als Wenik (Saunabesen) verwendet.
Orangenblüten
Die Orangenblüten (Citrus × aurantium – Bitterorange) gehören zur Familie Rutaceae und sind der Ausgangsstoff für Néroli-Öl – benannt nach Anna Maria de La Trémoille, Prinzessin von Nerola (17. Jh.), die es an ihrem Hof populär machte. Näheres zur Orangen-Botanik auf der Bestandteil-Seite Orangenschalen.
Sandelholz
Das Sandelholz (Santalum album) ist der botanisch außergewöhnlichste Bestandteil des Blends. Es gehört zur Familie Santalaceae und ist hemi-parasitisch – die Wurzeln zapfen andere Bäume an und beziehen daraus Nährstoffe.
Zubereitung
- 1 gehäufter Teelöffel pro 250 ml
- Wasser: 100 °C (kochend)
- Ziehzeit: 8-10 Minuten
Geschmack und Charakter
- Aroma: sanft-blumig mit einer feinen Zitrusnote vom Zitronengras und einer warmen Fruchtnote vom Pfirsich
- Tassenfarbe: warm-golden
- Textur: mild-warm, mit einer zarten Kräuterwürze und harmonisch-blumigen Untertönen
- Nachhall: warm-holzig mit sanftem Sandelholz-Ausklang
Für wen sich der Tee eignet
- Botanik-Interessierte – sieben Pflanzenfamilien in einer Tasse
- Kräutergarten-Freunde – klassische mitteleuropäische Klosterheilkunde-Kräuter
- Koffein-Meider – klassisch koffeinfreier Kräutertee
Andere Kräutertees:
- Kräutertee Ruhe & Kraft (dieser Tee) – sieben Pflanzenfamilien
- Kräutertee Frauentee – der würzige Wurzel-Klostergarten mit Klostergarten-Wurzeln (Angelika, Löwenzahn, Süßholz)
- Kräutertee Gute Nacht – der Abend-Kräutergarten
- Kräutertee Entspannungstee – der mediterran-alpine Blend
- Kräutertee Berggipfel – der alpin-griechische Klassiker
Mein Tipp
Der Ruhe & Kraft ist mein Vorschlag für Botanik-Interessierte, die die Vielfalt der Pflanzenfamilien in einer einzigen Tasse erleben wollen. Sieben verschiedene Familien – von Rosengewächsen über Süßgräser bis zu exotischen Sandelholzgewächsen – geben dem Blend eine ungewöhnliche botanische Tiefe. Als Cold Brew im Sommer besonders erfrischend durch die Citral-Note des Zitronengrases. Der Sandelholz-Anteil ist subtil und ergänzt die warme Basis mit einer holzig-süßen Note, die man sonst eher aus Räucherstäbchen kennt.
Mehr zur Kulturgeschichte des Tees auf unserer Bestandteil-Seite Schwarzer Tee.
Zutaten: Bohnenhülsen, Lemongras, Brennnesselblätter, Birkenblätter, Pfirsichstücke, Sandelholz, Orangenblüten, Rosenblütenblätter, Aroma
Inhalt: 40g
Häufige Fragen zum Kräutertee Ruhe & Kraft
Was sind Bohnenhülsen? Die getrockneten Schoten der klassischen Gartenbohne (Phaseolus vulgaris) – ohne die Bohnen selbst. Klassisches Klostergarten-Kraut, dokumentiert von Hildegard von Bingen (12. Jh.). Historisch bekannt als „Kaiser-Wilhelm-Tee“ – ein deutsches Kloster-Rezept des 19. Jahrhunderts. Botanisch gehören sie zur Familie Fabaceae (Hülsenfruchtgewächse) und sind damit verwandt mit Rooibos und Süßholz.
Ist Zitronengras verwandt mit Zitronen? Nein! Zitronengras (Cymbopogon citratus) gehört zur Familie Poaceae – den Süßgräsern (verwandt mit Bambus, Reis, Weizen, Mais). Zitrone (Citrus limon) gehört zur Familie Rutaceae. Beide teilen aber das gleiche Aroma-Molekül Citral – deshalb die verwandte Aromatik trotz völlig unterschiedlicher botanischer Zugehörigkeit.
Warum brennen Brennnesseln nicht mehr, wenn sie im Tee sind? Die Brennhaare der frischen Brennnessel enthalten Ameisensäure und Histamin – klassisch verantwortlich für das brennende Gefühl. Bei der schonenden Trocknung für Tee werden die Brennhaare unschädlich gemacht. Auch beim Aufguss mit heißem Wasser sind sie unwirksam.
Warum sind Birkenblätter im Tee? Klassisches Klostergarten-Kraut, traditioneller Frühjahrs-Kräutertee. Im April und Mai geerntet, wenn die jungen Blätter besonders aromatisch sind. Botanisch gehören Birken zur Familie Betulaceae und sind verwandt mit Hasel, Erle und Hainbuche.
Wie bereite ich den Tee zu? 1 gehäufter Teelöffel pro 250 ml, kochend heißes Wasser (100 °C), 8-10 Minuten ziehen lassen. Klassisch pur, ohne Milch. Als Cold Brew im Sommer: 1 EL pro 500 ml kaltes Wasser, 6-12 Stunden im Kühlschrank ziehen.