Orangenblüten sind der zarte Anfang jeder Orange – aus ihnen wird das legendäre Néroli-Öl gewonnen, eines der wertvollsten ätherischen Öle der Welt. Die Geschichte hinter dem berühmten Néroli-Duft reicht von einer italienischen Prinzessin über Königin Victorias Brautkranz bis zum Kölnisch Wasser.
Botanik
Die Bitterorange (Citrus × aurantium, auch Pomeranze oder Sevilla-Orange) gehört zur Familie Rutaceae (Rautengewächse).
Bitterorange oder Süßorange?
Zwei verschiedene Citrus-Arten: Bitterorange (Citrus × aurantium) hat intensivere Blüten für Néroli, ihre Frucht ist bitter (klassische Bitter Orange Marmalade aus Sevilla, plus Curaçao, Cointreau, Grand Marnier). Süßorange (Citrus × sinensis) ist die Speiseorange, die wir alle kennen. Die klassische Néroli-Note kommt fast ausschließlich aus der Bitterorange.
Drei Öle aus einer Pflanze
Aus der Bitterorangen-Pflanze werden drei verschiedene ätherische Öle gewonnen:
Néroli und die Prinzessin von Nerola
Néroli ist benannt nach Anna Maria de La Trémoille, Prinzessin von Nerola (1642-1722) – italienische Adlige aus französischer Herkunft. Ihre Familie herrschte im römischen Nerola (Sabina, nördlich von Rom). Sie parfümierte im 17. Jahrhundert ihre Handschuhe und ihr Badewasser mit Bitterorangenblüten-Extrakt und machte den Duft an den europäischen Höfen zur Mode. Der Duft trägt bis heute ihren Namen: Néroli – von Nerola, ihrer italienischen Familien-Stadt. Eine der schönsten Parfüm-Etymologien der Kulturgeschichte.
Eau de Cologne (1709)
Johann Maria Farina erfand 1709 das erste moderne Eau de Cologne in Köln. Néroli ist eine der Grundkomponenten – zusammen mit Bergamotte, Zitrone und Rosmarin.
Orangenblütenwasser (Fleur d’Oranger)
Nebenprodukt der Néroli-Öl-Destillation – der Kern der mediterranen und orientalischen Küche. Frankreich: Madeleines, Brioche des Rois. Sizilien: Cassata, Cannoli. Spanien: Roscón de Reyes (Dreikönigskuchen). Marokko: Cocktail-Getränk mit Rosenwasser. Libanon: „Café Blanc“ (heißes Wasser mit Orangenblütenwasser). Tunesien/Ägypten: „Erfrischungs-Getränk“ (ein Löffel in Wasser). Türkei/Griechenland: Loukoumades.
Königin Victoria und die weiße Hochzeit
Königin Victoria trug 1840 Orangenblüten im Haar bei ihrer Hochzeit mit Prinz Albert – und begründete damit die weiße Hochzeit als europäisches Ideal. Der Grund: Der Orangenbaum blüht und trägt Frucht gleichzeitig – Symbol für Fruchtbarkeit und ewige Jugend. Bis heute sind Orangenblüten in mediterranen Brautkränzen präsent.
Historie – vom Orient zur Provence
Islamische Welt (9.-10. Jh.): Araber brachten die Bitterorange (Naranj) über Sizilien und Andalusien nach Europa – der Name „Orange“ stammt aus dem Persischen! 17. Jh.: Prinzessin von Nerola macht Néroli berühmt. 18. Jh.: Grasse etabliert die Parfüm-Industrie. 1709: Farina Eau de Cologne mit Néroli.
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Orangenblüten haben einen mild-blumigen, leicht süßlichen Charakter mit einer zarten Zitrus-Note. Anders als die Frucht (die als Schale würzig, als Fruchtfleisch bitter oder süß ist) sind die Blüten elegant-blumig – eine der subtilsten Aromen im gesamten Zitrus-Cluster.
Orangenblüten harmonieren besonders gut mit: