Kaum eine andere Beere ist so tief in der germanischen Volkstradition verankert wie der Holunder. Von der Erdgöttin Frau Holle geheiligt, von Bauern durch Jahrhunderte respektvoll behandelt, in fast jeder mitteleuropäischen Region unter eigenem Namen bekannt: Holler in Bayern und Österreich, Fliederbeere in Norddeutschland, Fläderbär in Schweden, Elder in England.
Frau Holle – der germanische Baum der Erdgöttin
Frau Holle – in der germanischen Mythologie eine ursprüngliche Erd- und Vegetationsgöttin, die später im Grimm’schen Märchen als „Frau Holle“ auftauchte. Der Holunderbaum galt als ihr heiliger Baum.
Der Volksglaube war so tief verwurzelt, dass sich daraus ein jahrhundertealter Volksspruch bildete:
„Vor dem Holunder Hut ab, vor der Weide Beil ab.“
Wer am Holunder vorbeiging, sollte den Hut ziehen – ein Zeichen des Respekts vor der Göttin. Wer einen Holunder fällen wollte, musste vorher „Frau Holle“ um Erlaubnis bitten – sonst drohte Unglück für Haus und Familie. Umgekehrt galt: Wer einen Holunder im Garten pflanzte, brachte Schutz und Segen ins Haus. Fast jeder Bauernhof in Mitteleuropa hatte deshalb einen Holunder-Strauch – oft direkt neben der Haustür, seltener am Ende des Gartens.
Die Ambivalenz war jedoch tief: Der Holunder war gleichzeitig heiliger Schutzbaum und Hexenbaum. In der christlichen Legende (die die vorchristliche Verehrung umzudeuten versuchte) soll sich Judas Iskariot an einem Holunder erhängt haben. Trotzdem blieb der Baum in der Volkstradition eher segenspendend als bedrohlich.
Sambucus nigra – vom Musikinstrument der Antike
Der wissenschaftliche Name Sambucus nigra hat eine spannende Etymologie: Er geht auf das altgriechische Wort „sambyke“ zurück – ein Musikinstrument aus der Antike, das aus Holunderholz gefertigt wurde (vermutlich eine Art Flöte oder harfe-ähnliche Leier). Das Holunderholz ist innen hohl mit weichem Mark – ideal für einfache Blasinstrumente. Bis heute basteln Kinder in Mitteleuropa Holunderpfeifen aus den hohlen Zweigen.
Drei Sambucus-Arten – und nur eine ist Tee-tauglich!
In Mitteleuropa gibt es drei wichtige Holunder-Arten – aber nur eine kommt in Tees zum Einsatz:
Regionale Namen quer durch Europa
Kaum eine Pflanze hat so viele regionale Namen wie der Holunder – das zeigt die kulturelle Tiefe:
Jede Region hat ihre eigenen kulinarischen Traditionen entwickelt.
Adoxaceae – die botanische Familie
Holunder gehört zur Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae) – eine relativ kleine Familie mit Verwandtschaft zur Schneeball (Viburnum). Früher wurde Holunder zu den Geißblattgewächsen (Caprifoliaceae) gerechnet – neuere botanische Systematik hat ihn in die Adoxaceae umgestellt. Der Wissenschaftsstand ist manchmal in älteren Quellen noch nicht aktualisiert.
Klassische Herbst-Wildsammlung
Wie bei den Hagebutten gilt auch für Holunderbeeren: kaum kommerzieller Anbau – die meisten Ernten stammen aus Wildsammlung. Der Schwarze Holunder wächst in ganz Mitteleuropa an Waldrändern, in Hecken und in Bauerngärten. Klassische Erntezeit ist August und September, wenn die Doldenrispen tiefdunkel und die einzelnen Beeren voll ausgereift sind.
Ein wichtiger Praxis-Tipp bei der Wildsammlung: Holunder immer mit der kompletten Doldenrispe ernten und erst zu Hause die einzelnen Beeren mit einer Gabel „abstreifen“. Grüne, unreife Beeren dabei aussortieren – sie enthalten mehr Sambunigrin.
Holunder taucht in unterschiedlichen Charakteren auf. Die schnellste Orientierung:
Du suchst einen alkoholfreien Winter-Punsch-Ersatz? Der klassische Punsch-Klassiker:
Du willst einen cremig-milden Winter-Tee mit Rooibos-Basis? Der Rooibos-Winter-Klassiker:
Du suchst einen Premium-Beeren-Klassiker mit maximaler Beeren-Vielfalt? Die beeren-reichen Klassiker:
8,00 €
6,50 €
7,00 €
6,00 €
6,00 €
Holunderbeeren haben einen fruchtig-herben, leicht säuerlichen und tief-dunklen Beeren-Charakter, der an Wildbeeren und Wein erinnert. Sie bringen eine kräftige dunkle Note in Tee-Mischungen und passen deshalb besonders gut zu Winter- und Herbst-Kompositionen. Anders als die hellen Beeren (Himbeere, Erdbeere) ist Holunder eine erdige Beere – dunkel, tief, würzig.
In der Tasse sorgen Holunderbeeren für:
Bei uns kommen ausschließlich getrocknete Holunderbeeren zum Einsatz – die klassisch verarbeitete Form. Beim Trocknen wird das Sambunigrin abgebaut, die Beeren sind sicher genießbar. Sichtbar als kleine, tiefdunkle Kügelchen in der losen Teemischung.
Holunder ist eine der klassischsten Winter-Beeren-Zutaten. Klassische Kombinationen: