Kamille ist einer der ältesten und wichtigsten Klostergarten-Klassiker Europas – dokumentiert seit den alten Ägyptern, Karl dem Großen und Hildegard von Bingen. Die Geschichte hinter der kleinen goldgelben Blüte reicht vom Sonnengott Ra über den griechischen „Erd-Apfel“ bis zu Beatrix Potters Peter Rabbit.
Etymologie
Der Name Kamille hat eine der schönsten Etymologien der Kräuterwelt: Vom griechischen „chamaimēlon“ (χαμαίμηλον) = „Erd-Apfel“ – „chamai“ = niedrig/auf dem Boden, „mēlon“ = Apfel. Weil Kamille niedrig wächst und apfelartig duftet! Der spanische Name „manzanilla“ = „kleines Äpfelchen“ ist der direkteste Beleg für den Apfel-Duft. Die wissenschaftliche Gattung „Matricaria“ vom lateinischen „matrix“ = „Gebärmutter“ (frühere Frauenheilkunde).
Chemie
Beim Wasserdampf-Destillieren wird das Kamille-Öl tiefblau! Matricin (farblos) wandelt sich in Chamazulen (tiefblau) um. Das „Blaue Kamille-Öl“ gehört zu den spektakulärsten Naturfarben.
Ägyptische Verehrung – Kamille für den Sonnengott Ra
Die Kulturgeschichte beginnt in Ägypten: Die alten Ägypter widmeten Kamille dem Sonnengott Ra – wegen des goldenen Blütenzentrums. Nofretete soll Kamille als Kosmetik verwendet haben (Bäder, Öle). Kamille wurde in Grabbeigaben von Ramses II. (~1250 v. Chr.) gefunden. Bis heute hat Ägypten diese Tradition bewahrt: Ägypten ist der weltweit größte Kamille-Produzent – aus dem Nil-Delta und der Fayoum-Oase. Argentinien ist zweitgrößter Produzent, gefolgt von Ungarn, Deutschland und Osteuropa. Weltproduktion: über 60.000 Tonnen jährlich.
Karl der Große und Hildegard von Bingen
Karl der Große (Capitulare de villis, ~795) ließ Kamille in allen Klostergärten anbauen. Hildegard von Bingen (12. Jh.) dokumentierte Kamille in ihrer „Physica“. Zusätzlich war Kamille eines der neun heiligen Kräuter in der angelsächsischen „Nine Herbs Charm“ (10. Jh.).
Peter Rabbit und die Kamille
In Beatrix Potters „Peter Rabbit“ (1902) gibt Peters Mutter ihm einen Kamillentee, nachdem er sich krank fühlt: „She put him to bed, and made some camomile tea“. Bis heute ein Klassiker der englischen Kinderliteratur.
Aroma-Charakter
Kamille schmeckt warm, süßlich, apfelartig (wie der Name „Erd-Apfel“ nahelegt), leicht würzig und harmonisch. Die Chemie: α-Bisabolol, Chamazulen, Matricin, Farnesen, Flavonoide (Apigenin, Luteolin) und Cumarine.
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Kamille hat einen warm-blumigen, apfelartig-süßlichen Charakter – der Name „chamaimēlon“ (Erd-Apfel) und „manzanilla“ (kleines Äpfelchen) sind sensorisch treffend. Leicht würzig, sanft harmonisch, für viele die Referenz-Kräuternote schlechthin.
Kamille harmoniert besonders gut mit: