„Anissamen“ bezeichnet im Volksmund zwei völlig verschiedene Pflanzen – echter Anis und Sternanis. Beide sehen anders aus, kommen aus verschiedenen Weltregionen und gehören zu verschiedenen Pflanzenfamilien. Trotzdem haben sie das gleiche Aroma. Bei teeliebe erscheinen beide v.a. in Chai-Blends. Das Foto zeigt einen Sternanis (Illicium verum).
Echter Anis (Pimpinella anisum):
Sternanis (Illicium verum):
Aroma
Wie kann es sein, dass zwei nicht verwandte Pflanzen dasselbe Aroma haben? Beide enthalten E-Anethol als Haupt-Aromastoff (80-90 % der ätherischen Öle)
Weltkultur der Anis-Getränke
Anis dominiert die Weltkultur der aromatisierten Spirituosen: Ouzo (Griechenland), Pastis (Frankreich), Raki (Türkei), Arak (Naher Osten), Sambuca (Italien), Anisette, Absinth. Der Louche-Effekt – die weiße Trübung bei Wasserzugabe – entsteht, weil Anethol wasserunlöslich ist und sich in feinsten Tröpfchen ausflockt.
Historie
Echter Anis: Antike Ägypter, Griechen, Römer als Gewürz. Karl der Große (~795) ließ Anis im „Capitulare de villis“ in allen Klostergärten anbauen – parallel zu Melisse, Mandel, Süßholz, Karotte, Malve. Anis-Zuckerl in Klöstern als frühe Kaugummi-Vorläufer.
Sternanis: In China seit über 3.000 Jahren verwendet. Nach Europa erst im 16.-17. Jahrhundert über die spanischen Manila-Galeonen. Elisabeth I. von England bekam Sternanis als exotische Kostbarkeit. Standardbestandteil des chinesischen 5-Gewürze-Pulvers (Wu Xiang Fen – Sternanis, Zimt, Fenchel, Nelken, Sichuan-Pfeffer).
Etymologie
Kulturklassiker
Echter Anis: Anisplätzchen, Springerle, Anis-Zwieback, Anisette, Ouzo, Pastis, Raki, Sambuca. Sternanis: Chinesisches 5-Gewürze-Pulver, Pho, Chai-Tees, Glühwein, Weihnachtsplätzchen.
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Anissamen – egal ob echter Anis oder Sternanis – haben einen mild-süßlichen, warm-würzigen, leicht lakritzartigen Charakter. Das Aroma wird durch E-Anethol getragen (in beiden Pflanzen 80-90 % der ätherischen Öle) – dasselbe Molekül wie in Fenchel und Süßholz.
Anissamen harmonieren besonders gut mit: